Bad Wildbad
Stadtkirche
Berlin
Gendarmenmarkt, Deutscher und Französischer Dom
Berlin
Sankt Hedwig
Biberach
Stadtkirche
Dresden
Frauenkirche
Dresden
Kreuzkirche
Hamburg
St. Michael
Heidelberg
Providenzkirche
Ludwigsburg
Stadtkirche
Mannheim
Konkordienkirche
Naumburg
Wenzelskirche
Schorndorf
Stadtkirche
Speyer
Dreifaltigkeitskirche
Suhl
Stadtkirche
Protestantischer Kirchenbau des Barock
Die protestantischen Länder nahmen den Barock nach dem Dreißigjährigen Krieg nur zögerlich auf und empfanden ihn möglicherweise als ein Ausdruck katholischer Glaubensformen für den Kirchenbau der Zeit. In vielen Fällen behielt man die gotischen Kirchenbauten des späten Mittelalters einfach bei und passte sie den Voraussetzungen eines evangelischen Gottesdienstes an (Ausrichtung auf die Kanzel im Mittelschiff, neue Anordnung von Bänken und Portalen, Entfernung von Haupt- und Seitenaltären, Vernachlässigung des Chors usw. - vgl. Ulmer Münster). Erst der Kirchenbau des 19. Jahrhunderts fand in Historismus und Neugotik die passende Sprache für die Repräsentation des protestantischen Selbstbewusstseins (vgl. Schlosskirche von Wittenberg oder die Gedächtniskirche von Speyer).
Das verschließt allerdings den Blick auf mutige Formen der Adaption des Barock für protestantische Gotteshäuser, die hier zusammen gestellt werden. Oft ist es nur ein barockes Interieur, das nach Bränden oder Kriegszerstörung den Stil der Zeit ausdrückten (vgl. hier etwa die Stadtkirche von Schorndorf). Aber es gibt auch ganz eigene Entwürfe (wie die Dreifaltigkeitskirche von Speyer oder die Konkordienkirche von Mannheim). Hier bestimmen protestantische Glaubensvorstellungen und Gottesdienst auch die Architektur. Das barocke Raumgefühl darf durchaus zur Geltung kommen, aber der prunkvolle Reichtum wird dabei deutlich reduziert (siehe Schlosskirche der Barockstadt Ludwigsburg). Oft nehmen Kanzel, Orgel und weniger der Altar das Zentrum des Raumes ein, Emporen ermöglichen ringsum das bessere Hören der Predigt von der Kanzel, Altäre und Deckengemälde sind deutlich reduziert und man spürt den Vorbehalt des Protestantismus bezüglich des Bilderverbots der Zehn Gebote. Heilige und Marienbilder fehlen nun ganz. Jedoch findet man nach wie vor Epitaphe verstorbener Patrizier und Adliger oder Gedenktafeln an wichtige Ereignisse. Viel stärker als im Mittelalter sind die protestantischen Gotteshäuser selbstbewusste Versammlungsorte der Bürgergemeinde (Vgl. St. Michael in Hamburg).
Literatur:
Jan Harasimowicz (Hrsg.)
Protestantischer Kirchenbau der Frühen Neuzeit in Europa / Protestant Church Architecture in Early Modern Europe
Grundlagen und neue Forschungskonzepte / Fundamentals and New Research Approaches
Verlag Schnell und Steiner, München