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Das spätgotische Reformkloster von Blaubeuren

Blaubeuren

Benediktiner-Kloster

Das sehr gut erhaltene spätgotische Kloster von Blaubeuren bei Ulm wurde schon 1085 direkt neben der magischen Quelle des Blautopfes gegründet von den Pfalzgrafen von Tübingen und Sigiboto von Ruck. Es gehörte ursprünglich zur Hirsauer Reform und wurde von deren Mönchen benediktinisch besiedelt. Von den ursprünglichen Gebäuden im Hirsauer Stil ist nichts mehr erhalten.
Nach einem Niedergang in der Zeit der Pest im Hochmittelalter übernahmen das Haus Württemberg ab 1447 die Klostervogtei und wurde durch Mönche aus dem Kloster Wiblingen bei Ulm reformiert. Unter Abt Heinrich Fabri III. wurde fast die ganze Klosteranlage großzügig erneuert im Stil der Spätgotik. Das einheitlich geprägte Ambiente besticht durch seine großzügige Gestaltung sowie die liebevolle Ausstattung. Neben einem schönen spätgotischen Kreuzgang mit Brunnenhaus sind noch das Refektorium, Kapitelsaal, Sakristei und das Dorment der Mönche mit Holztonnendecke und viele weitere Räume und Gebäude erhalten.

Besondere Schönheit besitzt die Klosterkirche im Chor der Mönche, das ein wohl durchdachtes theologisches Raumprogramm besitzt. Das herrliche Chorgestühl (unter Beteiligung von Jörg Syrlin d.J. vgl. Chorgestühl im Münster von Ulm) enthält wunderbare Figuren mit Bezug zum liturgischen Leben der Mönche und herrliche Lesepulte für die Folianten. Darüber gruppieren sich erst die Propheten des Alten Testaments, auf die sich die Apostel Jesu stützen darüber die zwölf Söhne Jakobs für die Stämme Israels. Auf den Spruchbändern der Apostel stehen die 12 Glaubenssätze des lateinischen Credos.

Ein absolutes Meisterwerk des Raumes ist der berühmte Hochaltar mit seinen drei Bildseiten (Wandelaltar), der je nach liturgischer Festzeit ein anderes Bildprogramm zeigt:
1. Geschlossen: Passion Christi
2. Erste Öffnung: Johannes der Täufer
3. Zweite Öffnung: Festtagsaltar mit Geburtsgeschichte
Die Hauptfiguren zeigen neben der wunderschönen Blaubeurer Madonna mit Kind den Ordensgründer Benedikt, Johannes den Täufer, Johannes den Evangelist und Scholastica, die Schwester Benedikts und Patronin der weiblichen Benediktiner. 
Rechts oben im Eckbild ist eine Abbildung des genialen Reformers des Klosters und Initiator des Neubaus Heinrich III. Fabri.

Es ist ein Wunder, dass der ganze Chorraum fast vollständig erhalten blieb und vom Bildersturm verschont wurde. Er ist ein einmaliges Gesamtkunstwerk, der das religiöse Kunstverständnis der Spätgotik in wunderbarer Weise und hoher künstlerischer Qualität zeigt. Seit der Reformation beherbergt das Kloster das Seminar der Würrtembergischen Landeskirche, ein Internat für begabte Schülerinnen und Schüler, zu denen wie in Maulbronn viele bekannte Geistesgrößen zählten (auf der Abbildung ein Namenszug Hölderlins).

de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Blaubeuren