Barcelona
Santa Creu (15.jh)
Beaune
Hôtel-Dieu (1443)
Biberach
Heilig Geist (1258)
Brügge (BE)
Sankt Jans Spital (Mitte 12. Jh.)
Dinkelsbühl
Heilig Geist (1280)
Gent
Katharinenspital 12. Jh.
Goslar
Gr. Heiliges Kreuz (1254)
Kopenhagen (DK)
Heilig Geist (1296)
Lübeck
Heilig Geist (1227)
Memmingen
Heilig Geist (1210)
Nördlingen
Hl. Geist (um 1200)
Nürnberg
Heilig Geist (1339)
Ochsenfurt
Siechenhaus
Paris
Hôtel-Dieu
Reutlingen
Spitalhof (1333)
Rothenburg o.d. Tauber
Heilig Geist (um 1300)
Schwäbisch Gmünd
Heilig Geist (1269)
Tallinn (EST)
Heilig Geist (um 1300)
Tonnere
Hôtel-Dieu (1293)
Toul
Hôtel-Dieu
Spital
Soziale Einrichtungen im Mittelalter
Entgegen der Auffassung, das Krankenhaus und soziale Einrichtungen seien eine Einrichtung des modernen Sozialstaates stehen die Spitäler des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Schon die Klöster kümmerten sich um arme und kranke Menschen, Pilger und Bedürftige. Diese Aufgaben übernahmen im Hochmittelalter auch fromme Stiftungen und religiöse Gemeinschaften in den aufblühenden Städten. Besonders in den reichen Handelsstädten findet man ab dem 13. Jahrhundert fast überall ein Spital, das oft durch eine Stiftung reicher Bürger und Patrizier ins Leben gerufen wurde und vor religiösen Gemeinschaften betrieben wurde. Das Spital im Mittelalter kümmerte sich um alle Formen christlicher Nächstenliebe, die Pflege der Kranken und Alten, aber auch der Armen und Durchreisenden, Behinderte und Waisenkinder sowie die Ströme der Pilger auf ihrer Pilgerfahrt.
Nicht selten erinnert der Aufbau und die Architektur des Spitals an Klöster, die in der Regel nur ihren Mitgliedern vorbehalten waren. Jedes Spital verfügt über eine eigene Spitalkirche, die oft nur durch einen Lettner oder Bögen vom Krankensaal abgetrennt war. Das Gebet für die die Kranken war eine zentrale Funktion der Heilung. Bemerkenswerte Kunststiftungen sollten den Kranken Hoffnung verleihen oder sie auf das Ende ihres Lebens vorbereiten. Die großen Flügelaltäre etwa des Jüngsten Gerichtes von Rogier van der Weiden in Beaune oder der Marienaltar von Hans Memleben in Brügge konnten die Kranken auch direkt von ihrer Bettstätte betrachen.
Zentrale Einheit des Spitals ist ein großer Krankensaal mit einer großen gewölbten Halle wie man sie von den Saalbauten der Klöster kannte. Hier lagen die Kranken in abgetrennten Abteilen, durch Holzeinbauten oder einfach nur durch Vorhänge getrennt. Große Fenster an den Seiten sorgten für eine ausreichende und gute Durchlüftung des Raumes. Daneben gab es kleinere Behandlungsräume, Küche und Wirtschaftsräume, oft eine eigene Apotheke mit einem Labor zur Herstellung der benötigten Heilmittel. Diese gruppierten sich gerne um einen Hof, der zum Teil auch als Kreuzgang ausgebaut war. Besonders wichtig war die wirtschaftliche Versorgung des Spitals durch einen eigenen Wirtschaftshof mit Scheunen und Stallungen, dazu ein reicher Land- und Grundbesitz zur Versorgung des Spitals. Oft befand sich das Spital erst außerhalb der Mauer (Dinkelsbühl) oder abgetrennt durch einen Fluss auf einer Insel (Paris, Rom, Nürnberg) oder in einem eigenen abgetrennten Stadtviertel (Rothenburg).
Wie wichtig und zentral die Funktion des Spitals für die Städte waren zeigt auch der Umstand, dass viele mittelalterliche Spitäler auch noch weit bis in die Neuzeit hinein als solche verwendet wurden (z.B. Lübeck bis 1970) und ihre Stiftungen auch in den Neubau der modernen Krankenhäuser übergingen, die zum Teil auch auf dem Gelände des Spitals lagen (z.B. Brügge, s.a. das Hospital Sant Pau in Barcelona).