Granada - Madīnat Ilbīra
Andalusien
Die herrliche Stadt Granada ist sicher eine der schönsten und beeindruckendsten Städte, die durch die Zeit der maurischen Besiedlung noch am deutlichsten geprägt ist. Auf über 700 Meter gelegen und eingefasst von den Ausläufern der fast 3000 Meter hohen Sierra Nevada hat die Stadt ein auch im Sommer frischeres Klima als andere Städte in Andalusien in einer fruchtbaren Flussebene.
711 eroberten die Mauren die Stadt von den Westgoten und nannten sie 'Ilbira' nach dem römischen Namen 'Illiberis'. Bald bürgerte sich aber der Name Granada nach der Burg 'qala garnata' ein, was wohl von der romanischen Farbbezeichnung granat (=rot) abzuleiten ist. Bis heute wird der Granatapfel als Wappensymbol der Stadt geschätzt.
Nach dem Fall des Kalifats von Cordoba war Granada zunächst Sitz eines selbstständigen Fürstentums, das erst durch die Herrschaft der Nasriden von 1238 bis 1492 seine Blütezeit als letztes größeres maurisches Königreich (Sultanat) erlebte.
Neben der Alhambra und dem Generalife finden sich in der Stadt noch viele Spuren der islamisch-mittelalterlichen Zeit, etwa Räume der Madrassa im Rathaus (eine islamische Hochschule), einer vollständig erjaltene Karavanserei (Corral de carbon) und einem herrlichen Seidenmarkt (Alcaiceria), für den in Granada blühenden Handel und Vearbeitung von Seide. Über der großen Moschee der Stadt ließen die katholischen Könige später eine mächtige Kathedrale im Stil der Renaissance erbauen.
Am charakteristischsten ist das arabisch geprägte Viertel Albaicin (der Name bezieht sich auf geflohene Mauren aus der Stadt Baeza, die hier siedeln durften) am Hang gegenüber der Alhambra. Immer die Burg im Blick finden sich hier noch viele maurisch geprägte Häuser und Gärten, eine Moschee für die heute wieder wachsende islamische Gemeinde und einem Arabaischen Bad (Banuelo) im Tal neben Mühlen und Brückenreste über den Rio.
Überraschend ist, wieso sich Granada nach dem Fall von Cordoba und Sevilla so lange halten konnte. Der Grund dafür liegt wohl in den guten Beziehungen zwischen dem Königtum in Sevilla und dem Sultanat von Granada, das Sevilla immer wieder zur Seite sprang und dafür den Schutz der Könige erhielt. Die stilistische Verwandtschaft vieler Gebäude in Sevilla ist daher auch durch den nasridischen Einfluss zu erklären.
1492 wurde jedoch der letzte Sultan Muhammad XII. (Boabdil) von Granada vertrieben und die Stadt und Burg von den katholischen Königen erobert. Auch Granada wurde so Teil des erstarkenden Königreichs von Spanien und die Zeit der islamisch geprägten Kultur auf der iberischen Halbinsel ging hiermit zu Ende. Und damit endete auch die Zeit der Toleranz in einer zunehmend feindlichen Haltung gegenüber fremden Religionen von beiden Seiten, besonders jedoch für den verbleibenden Moslems und Juden aus dem maurischen Herrschaftsbereich, die nur die Wahl hatten sich anzupassen oder die Heimat zu verlassen.
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